Kunst // Literatur

Client: Amazon Crossing, Berlin Gothic  // Area: Fiction, 7 German Volumes, Length: approx. 220,000 words, Date: Aug 2012 to Oct 2013

Berlin Gothic, Fiction / by Jonas Winner

German: Berlin Gothic 1

Es sieht ihn an. Es ist ein Auge und es sieht ihn an.

Tills Zwerchfell zieht sich zusammen, mit einem Zischen saugt er die Luft durch die Zähne in seinen Körper.

Das Auge blinzelt.

Er will etwas sagen. Ein Röcheln kommt aus seinem Mund. „Tschschsch tschschsch“, säuselt es. Das Auge wird von einem Lid halb bedeckt.

Tills Blick zuckt nach oben. Über das Lid, die abrasierten Augenbrauen, die Stirn. Bleibt an einem Höcker hängen. Eine Erhebung. Zuckt zurück zu dem Auge. Springt in das andere Auge.
Er hört ein Glucksen. Die Augen scheinen aufzublitzen.

Er sieht wieder auf die Stirn. Auch über dem anderen Auge: Eine Erhebung, ein Knubbel, ein …

„Horn.“ Seine Stimme klingt, als würde sie aus einem Gully kommen.

Der Kopf vor ihm nickt.

„Ein Horn?“

Nicken.

Tills Kopf, den er unwillkürlich ein wenig erhoben hat, sinkt zurück auf die Matratze.

Das Gesicht vor ihm lächelt.

Die Lippen teilen sich. Eine Zunge kommt zum Vorschein. Es ist die Zunge einer jungen Frau. Ihre Zunge gleitet über ihre Lippen –

Till wendet den Kopf entsetzt zur Seite. Ihre Zunge hat sich in zwei Spitzen geteilt.

„Sieh‟ doch mal“, hört er die Frau sagen. Schaut zurück. Sie streckt die eine Zungenspitze nach oben, die andere nach unten, nähert sich ihm, lässt die beiden Spitzen kreisen. Till fühlt, wie sich seine Handflächen in die Matratze graben. Schlagartig wird ihm bewusst, dass ihn glühende Hitze durchzieht.

Nicht, will er rufen, bitte – nicht! Nicht näher kommen. Ihre Zungenspitzen tanzen vor seinen Augen. Sie beugt den Kopf, die Höcker rücken ins Gesichtsfeld. „Willst du mal berühren“, hört er sie flüstern.

„Nein“, es rasselt in seiner Kehle, „mir … ist nicht gut – es ist so heiß – “ Ihr Kopf zuckt wieder nach oben, so dass ihre Augen vor seinen aufscheinen.

„Magst du mich nicht?“

„Doch!“ Ihn schwindelt. „Ich … ein Glas Wasser – kann ich – “ „HALLO“, platzt eine Stimme dazwischen, die junge Frau, die sich über Till gebeugt hat, fährt zurück. „HALLO – IST DA JEMAND?“ Die Stimme schneidet laut durch den nur schlecht beleuchteten Raum. Die Frau wendet sich zu den anderen Gestalten, die sich hinter ihr zusammengedrängt haben und versuchen, über ihre Schulter hinweg einen Blick auf Till zu erhaschen. Sie hält die Hände offen vor sich hin, als wollte sie die anderen fragen, was sie tun soll.

„Er ist wach“, wispert sie.

„Ach ja?“ Ein massiger Oberkörper drängt sich an ihr vorbei, ein Mann sieht Till in die Augen. „Wie fühlst du dich?“ Till durchzieht Hitze, als würde er in einem Backofen liegen.

„Es ist heiß, ich glühe.“

„Das gibt sich wieder.“ Die Wangen des Mannes sind von fingerbreiten Ziernarben durchzogen. „Es sind die Nähte, aber du brauchst dir keine Sorgen zu machen.“

Was für Nähte? 

English: Berlin Gothic 1

It’s looking at him. It’s an eye and it’s looking at him.

Till’s diaphragm clenches. He sucks in air, drawing it into his body through his teeth with a hiss. The eye blinks.

Till tries to say something. A rattling sound escapes his mouth. “Tschschsch, tschschsch . . .”

An eyelid comes down, half covering the eye.

Till jerks his line of sight upward. Past the eyelid, the shaved eyebrows, the forehead. Stops at a bump. Snaps back to the eye, then across the face to the other eye.

He hears a chuckling sound. The eyes seem to flash.

He looks at the forehead again. Above the other eye, too, is a bump, a . . .

“Horn.” His voice sounds like it’s coming out of a drain. The head in front of him nods.

“A horn?”

Nod.

Till has raised his head instinctively, now lets it sink back to the mattress.

The face before him smiles. The lips part and a tongue appears. A young woman’s tongue. It glides over her lips.

Till turns his head aside, horrified. Her tongue is split down the middle; it has two tips.

“No, look,” he hears the woman say. He turns back. She stretches one tongue tip upward, the other downward, comes closer. The tips curl and curve.

Till feels how his palms press into the mattress. He is suddenly aware of a searing heat shooting through his body.

No, he wants to shout, please don’t! Don’t come any closer. The tips of the tongue are writhing before his eyes. She lowers her head; the horns enter his field of view.

“You wanna feel?” she whispers.

“No.” The word rasps in his throat. “I . . . I’m not feeling so good . . . it’s so hot.”

Her head jerks up and her eyes appear in front of his again. “Don’t you like me?”

“It’s not . . .” He feels dizzy. “I . . . a glass of water, can I?”

“HEY!” A voice slices between them. The girl leaning over Till backs away.

“Hey! Is anyone there!?” The voice cuts loudly across the dimly lit room. The woman turns to the other figures Till now sees are crowding behind her. They are all trying to catch a glimpse of Till over her shoulder. She holds her hands open in front of her as if to ask the others what she’s supposed to do.

“He’s awake,” she whispers.

“Oh, yeah?”

A massive torso pushes past her. A man looks into Till’s eyes.

“How you feelin’?” Heat blasts through Till; he feels like he’s lying in an oven.

“Hot. I’m burning.”

“It’ll pass.” The man’s cheeks are striped with finger-wide scarification marks. “It’s the stitches. But you don’t have to worry.”

What stitches?

Job: Übersetzung eines 7-teiligen Romans, welcher in 2 Bänden auf Englisch publiziert wird. Der erste Band, The Beginning (Berlin Gothic 1), ist 2013 erschienen, Doomed City (Berlin Gothic 2), im Juni 2014. Dies Übersetzungsbeispiel stammt aus den ersten beiden Seiten von Band 1. Erhältlich bei Amazon. 

Client: Zeitsprung Entertainment GmbH, Gerdas Schweigen  // Area: Holocaust documentary told by a survivor, theatre releaseLength: 43953 words, Date: Sept 2007

Gerdas Schweigen, Holocaust documentary told by a survivor

German: German, Gerdas Schweigen
Eine mögliche Erklärung führt zum KZ-Arzt Mengele, der nicht nur Zwillinge, Kleinwüchsige und Behinderte zu Tode quälte. Auch Schwangere betrachtete er als Menschenmaterial, bei dem er sich bediente. Er trieb – gleichgültig in welchem Stadium – Embryos und Föten ab, die er dann an deutsche Institute schickte. Schwangere infizierte er mit Typhus, um zu sehen, ob die Krankheit dabei auf das Kind übertragen würde.

Dann erwähnt Karel Rashnow ein Experiment von Mengele, das an Juttas Schicksal erinnert. Einer Jüdin, die gerade ein Kind geboren hatte, ließ er die Brust mit einem Gipsverband abbinden. Zunächst wusste die Mutter überhaupt nicht, was diese Maßnahme bedeuten sollte, dann wurde ihr das völlig Unfassbare mitgeteilt: Mengele wollte untersuchen, wie lange ein Säugling ohne Nahrung auskommen könne. Sieben Tage litten die verzweifelte Mutter und das verhungernde Kind, dann besorgte ihr eine Häftlingsärztin eine Morphiumspritze, um den Säugling zu erlösen. 

English: Gerda’s silence

One of the explanations leads to camp physician Dr Mengele, who not only tortured twins, short people and handicapped people to death, but also regarded pregnant women as human material at his disposal. Regardless of the pregnancy stage, he aborted fetuses and embryos and sent them to German institutes. He infected pregnant women with typhus in order to find out whether the disease would be transmitted to the child.

Then Karel Rashnow mentions an experiment of Dr Mengele’s that is reminiscent of Jutta’s fate. A Jewish woman who had just given birth was to have her breasts wrapped in a cast. At first the mother had no idea what this meant, but then she was informed of the monstrous reason: Mengele wanted to research how long an infant could survive without nourishment. For seven days the desperate mother and her starving child suffered until another camp doctor procured a morphine injection to put the child out of its misery.

Website: http://www.gerdas-schweigen.de/

Client: Doris Schumacher-Chilla. Entstehen und Entziehen als ambivalentes Maß… // Area: Art History essay, Length: 7282 words, Date: Sep 2007

Doris Schumacher-Chilla. Art History Essay / Kunstgeschichtlicher Essay

German: German, Entstehen und Entziehen als ambivalentes Maß…

Das Eismeer wird von Friedrich zu einer Zeit gemalt, die von der zunehmend realistischen Malerei geprägt ist. Friedrich aber stellt ein „hartes“ Motiv in reiner Form dar, das die nicht annehmlichen Seiten des Meeres zeigt, keine lieblichen Gefilde, sondern die abweisende Kälte und einsame Unerbittlichkeit des Nordmeeres, in der ein Schiff von riesigen Eisschollen zertrümmert, nur mehr als kaum erkennbares, winziges Wrack gescheitert ist.

Es handelt sich zwar um einen vermeintlich authentischen Ort, an dem bei der Entdeckung einer Nordwestpassage in der Beringsee durch eine Expeditionsreise William Edward Perrys 1819/20 mit den Schiffen Griper und Hecla das Schiff Griper in eine gefährliche Situation geraten ist, aber man geht davon aus, dass Friedrich, der keine großen Reisen unternommen hat, durch Berichte darüber in Tageszeitungen angeregt worden ist (Börsch-Supan 1973, Sumovski 1970).

Doris Schumacher-Chilla. Universität zu Köln.
“Entstehen und Entziehen als ambivalentes Maß bei Caspar David Friedrich und Darren Almond”

English: Becoming and Withdrawal as Ambivalent Measure…

Das Eismeer was painted at a time marked by increasingly realistic painting. But Friedrich portrays a “hard” motif in pure form, depicting the dark side of the sea, not dulcet regions but, instead, the forbidding cold and lonely relentlessness of the North Sea in which a ship is being smashed by enormous sheets of ice, but seen more as stranded, a tiny and barely recognizable wreck.

Indeed, the picture concerns a site reputed to be authentic when, on the discovery of a northwest passage during an 1819/20 expedition by William Edward Perry in the Bering Sea with the ships Griper and Hecla, the Griper found itself in a dangerous situation, but one assumes that Friedrich, who never undertook any extensive travels, was motivated by reports in the daily papers (Börsch-Supan 1973, Sumovski 1970).

Doris Schumacher-Chilla. University of Cologne.
“Becoming and Withdrawal as Ambivalent Measure in the Work of Caspar David Friedrich and Darren Almond”

Area: art history essay, published in Maß oder Maßlosigkeit: Kunst und Kultur der Gegenwart,
Publisher: athena verlag, isbn 978 3 89896 288 9

Client: Julia Wirxel. Spucke, Teig und Heu – Unmaß und Maß // Area: Art History essay, Length: 7030 words, Date: Sep 2007

Julia Wirxel, Art History Essay / Kunstgeschichtlicher Essay

German: German, Entstehen und Entziehen als ambivalentes Maß…
Kurz sei auf einen holistischen Weltsichtmythos der Edda eingegangen, der in Zusammenhang mit Fridriksdóttirs Arbeit und der Zahl vier steht: Die Völupsá (die Weissagung einer Seherin) erzählt von der Entstehung und dem Ende der Welt. Der sechsköpfige, zweigeschlechtliche Ur(zeit)riese Ymir (auch Augelmir) wird von den Göttern Odin, Vé und Vili getötet. Aus seinen Körperteilen bilden sie die Welt als Globus: Aus seinem Fleisch wird die Erde errichtet, aus seinem Blut das Meer, die Zähne werden zu Steinen und Felsen, aus Haaren werden Bäume, aus den Augenbrauen Midgard (die Welt der Menschen) und sein Gehirn ergibt die Wolken. Der Himmel wird aus seinem Kopf gebildet, der von vier Säulen gestützt wurde, die vier Zwerge halten: Austri, Vestri, Sudri (Sutr), Nordri (Nordi). Ihrem Namen gemäß stützen sie die Welt in ihrer Himmelsrichtung, also Austri im Osten, Vestri im Westen etc. Die Zahl vier spielt auch im Wappen (und auf Geldmünzen) Islands eine Rolle. Auf einer Felsplatte wird die isländische Flagge von einem Stier, einem Riesen, einem Drachen und einem Adler festgehalten. In der Heimskringla-Saga (verfasst von Snorri Sturluson) verteidigen ein Riese mit Eisenstab im Süden, ein Adler im Norden, ein Drache im Osten und ein Stier im Westen Island im 10. Jahrhundert vor der Eroberung des Dänen Harald Blauzahn. Sie sind die Schutzgeister Islands. Also entsprechen diese Wesen den Zwergen bzw. den Himmelsrichtungen. Auf diese Weise entsteht eine abstrakte, bereits oben erwähnte Beziehung zu den vier Filmen Fridriksdóttirs und ihrer Betitelung. In der Kölner Installation empfindet man sich auf Grund der Anordnung der Filme im Raum und dem zugewiesenen Sitzplatz im Mittelpunkt der Welt. Ein Ausblick in alle vier Himmelsrichtungen, durch vier Fenster, ist möglich. Was geschieht also an den vier äußeren Punkten der Welt?

Julia Wirxel. Universität zu Köln.
” Spucke, Teig und Heu – Unmaß und Maß bei Gabríela Fridriksdóttir”

English: Spittle, dough and hay – excess and measure

The wholistic world-view myth of the Edda may be briefly described at this point, as it is connected with Fridriksdóttir’s work and the number four: The Völupsá (the prophecies of a seeress) talk about the creation and the doom of the world. Ymir (or Augelmir), the six-headed, bi-gendered giant of primitive times, is killed by the gods Odin, Vé and Vili. They compose the world as a globe from the parts of his body: the Earth is created from his flesh, the sea from his blood, his teeth are turned into rocks and cliffs, his hair into trees, the eyebrows into Midgard (the world of humans), and his brain into clouds. The sky is made from his head, supported by four pillars held by four dwarfs: Austri, Vestri, Sudri (Sutr), and Nordri (Nordi). They support the world in their compass directions according to their names: Austri in the East, Vestri in the West, etc. The number four is also of importance in the Icelandic coat of arms (and on its coins). On a slab of rock, the Icelandic flag is held by a bull, a giant, a dragon and an eagle. In the Heimskringla-Saga (composed by Snorri Sturluson), a giant with an iron bar defends south, an eagle defends north, a dragon the east and a bull the west of Iceland in the 10th century before the conquest by the Dane, Harald Blauzahn. They are Iceland’s guardian spirits and therefore correspond to the dwarfs and the four points of the compass. In this way, an abstract connection, already mentioned above, is created between Fridriksdóttir’s four films and their titles. In the installation in Cologne, due to the allocated seating and the arrangement of the films in the room, one perceives oneself as being in the middle of the world. A view in all four directions of the compass through four windows is possible. So what happens on the four outer points of the world?

Julia Wirxel. University of Cologne.
“Spittle, dough and hay – excess and measure in the work of Gabríela Fridriksdóttir”

Area: art history essay, published in Maß oder Maßlosigkeit: Kunst und Kultur der Gegenwart,
Publisher: athena verlag, isbn 978 3 89896 288 9

Client: Miramax. Screenplay: Goodbye Lenin! // Area: Film Script, Theatre release Length: 22000 words - (121 minutes), Date: Aug 2000

Goodbye Lenin!

German: Goodbye Lenin!

Translated from a printed version of the script at the time:

(Deutsches Drehbuch, aus Bildern 153 und 153)

KURZINHALT: 1989. Geschichte wird gemacht. Nur für den 21jährigen Alex (Daniel Brühl) geht nichts voran. Kurz vor dem Fall der Mauer fällt seine Mutter (Katrin Saß), eine selbstbewusste Bürgerin der DDR, nach einem Herzinfarkt ins Koma – und verschläft den Siegeszug des Kapitalismus. Als sie wie durch ein Wunder nach acht Monaten die Augen wieder aufschlägt, erwacht sie in einem neuen Land. Sie hat nicht miterlebt, wie West-Autos und Fast-Food-Ketten den Osten überrollen, wie Coca Cola Jahrzehnte des Sozialismus einfach wegspült, wie man hastig zusammen wachsen lässt, was zusammen gehört. Erfahren darf sie von alledem nichts: Zu angeschlagen ist ihr schwaches Herz, als dass sie die Aufregung überstehen könnte. Alex ist keine Atempause gegönnt. Um seine Mutter zu retten, muss er nun auf 79 Quadratmetern Plattenbau die DDR wieder auferstehen lassen. Schnell stellt er fest, dass sich dieser Plan schwieriger umsetzen lässt als erwartet…

GOOD BYE, LENIN Ein Film von Wolfgang Becker Nach einem Drehbuch von Bernd Lichtenberg Co-Autor: Wolfgang Becker

English: Goodbye Lenin!
153. EXT. HOSPITAL ENTRANCE – NIGHT

Alex leaves the hospital and stops a taxi in the street. He looks at the driver and stares at him as if he were a ghost.

 ALEX (V.O.)

There he was, the idol of my youth. Now, like a conjured-up

spirit: Sigmund Jaehn. He wasn’t signing any autographs,

wasn’t talking about the secrets of the universe, the freedom

of floating in space or the infinite firmament. He was driving

a stinking little “Wartburg” taxi .

Finally, Alex gets into the cab.

 SIGMUND JAEHN LOOKALIKE

Where are you going?

 ALEX

Dahlem.

The driver drives off. Alex keeps staring at him.

SIGMUND JAEHN LOOKALIKE

What’s the matter?

They continue through Berlin at night.

 

154. EXT. HOUSE IN ROSEN STREET – NIGHT

The taxi approaches the house slowly. The driver kills the motor. Alex stares at the living room window. Robert Kerner and his partner, Andrea, are entertaining another couple. They are laughing and drinking wine.

SIGMUND JAEHN LOOKALIKE

Shall I stop the meter?

ALEX

No.

He stares at the window. Little Carla and Thomas in pajamas come into the living room. Robert Kerner gets up and talks to the children. He takes Carla in his arms and carries her to the window, showing her something without seeing the taxi. He gives her a goodnight kiss, then exits the living room with both of them. Alex looks up to the clear starry sky, then turns to the driver.

ALEX (cont’d)

What was it like up there?

The taxi driver looks surprised for a minute.

SIGMUND JAEHN LOOKALIKE

Up there?

Then he realizes Alex’s mix-up and smiles, looking up at the sky.

 SIGMUND JAEHN LOOKALIKE (cont’d)

Oh, up there.

(to Alex)

It was beautiful. Just very far away from home.

Alex looks at his father’s house and repeats:

ALEX

Yes, far away from home.

After a while, he turns to the driver.

ALEX (cont’d)

Karl Marx Avenue, East Berlin, please.

Client: Dr. Manfred Bölk, “Boca Arriba”  // Area: Novel (unpublished) Length: part-translated, Date: Feb 2005

Boca Arriba

German: Boca Arriba
Ein junger Bursche in der grünen Uniform des Innenministeriums war das Nadelöhr. Er hatte einen breiten, flachen Schädel. Seine Augen standen soweit auseinander, daß ich unsicher war, wohin ich sehen sollte, als ich meine Geschichte vortrug. Ob mein unsteter Blick für oder gegen mich sprach, kann ich nicht beurteilen. Froschauge entschied mit unbeteiligter Miene, der Fall sei gravierend genug, um im Wartezimmer Platz nehmen zu dürfen.
Es war ein düsterer, fensterloser Raum. Zwei Neonröhren hatten sich aus ihren Sperrholzrahmen gelöst und hingen an Kabelknäulen von der Decke herab. Weil damit zu rechnen war, daß die beiden Leuchtschwerter jeden Moment heruntersausen konnten, klebten die Stühle der sechs Wartenden dicht an der Wand.
Rechts von mir saß eine zierliche, verhärmte Frau, die ich auf Mitte 40 schätzte. Hellblauer Jeansrock, rote Bluse, Plastikgürteltasche und ausgefranste Stoffschuhe, die nur noch durch die Schnürsenkel zusammengehalten wurden. Sie hatte eine heisere, energische Stimme und spielte nervös mit ihrer Brille. Ihre schwarzen, unruhigen Augen schienen in zu viele Abgründe gesehen zu haben. Es war nichts Warmes oder Weiches mehre darin zu erkennen. Dieser Blick war hart und böse. Er verriet, daß in dem ausgemergelten Körper noch eine Kraft steckte, die man besser nicht unterschätzte.

English: Boca Arriba

A young guy in the green uniform of the Interior Ministry was the guardian at the gate. He had a wide, flat skull, his eyes so far apart that I wasn’t sure where to look as I unfolded my story. I can’t judge whether my wandering line of sight spoke for or against me. Looking disinterested, frog-eyes decided the matter was serious enough to warrant a place in the waiting room.
It was a dingy, windowless room. Two neon tubes had worked themselves loose from their plywood frames and hung from the ceiling in a tangle of wires. There was every chance these two light-sabers would come slashing down at any moment, so the six people waiting had all crammed their chairs tight against the walls.
On my right sat a diminutive, careworn woman who I guessed to be in her mid-40s. Light blue denim skirt, red blouse, plastic fanny pack and frayed fabric shoes only held together by the laces. She had a hoarse, energetic voice and toyed nervously with her glasses. Her anxious, black eyes seemed to have looked into too many abysses. There was nothing recognizably warm or soft in them anymore. Her glance was hard and angry. It betrayed a power which still existed in the emaciated body, a power not to be underestimated.

Client: Grundy UFA, NICHTS: WAS IM LEBEN WICHTIG IST  // Area: Novel / Project Intro Date: Oct 2010

Nichts / Nothing

German: NICHTS: WAS IM LEBEN WICHTIG IST

Ein Roman von Janne Teller
„Wenn sterben so leicht ist, dann deshalb, weil der Tod keine Bedeutung hat. Und wenn der Tod keine Bedeutung hat, dann deshalb, weil das Leben keine Bedeutung hat. Aber amüsiert euch gut!“
Dieser Satz wird dem scheinbaren Antagonisten Pierre Anthon am Ende zum Verhängnis. Er, der mit dem Satz „Nichts bedeutet irgendwas, deshalb lohnt es sich nicht, irgendwas zu tun“ die Schulklasse verlässt, ändert damit die ganze, kleine Welt eben dieser Mitschüler. Denn während Pierre auf einem Pflaumenbaum sitzend die Mitschüler immer wieder mit nihilistischen Parolen konfrontiert, bekommt die eigentliche Protagonistin Agnes Angst – Angst davor, dass Pierre Anthon Recht haben könnte. Und somit beginnt die Schulklasse, nach dem Sinn des Lebens zu suchen. Die Schüler häufen einen „Berg aus Bedeutung“ an, für den jeder einzelne schlimme Opfer bringen muss. Angefangen bei den geliebten Sandalen, über ein Fahrrad, über ganz viele Dinge, die den Kindern am Herzen liegen, werden die Sachen immer absurder. Der muslimische Junge, der seinen Gebetsteppich opfern muss, das junge Mädchen, das ihren kleinen, verstorbenen Bruder opfern soll, ein hoffnungsvoller Gitarrist, der seinen Zeigefinger opfert bis hin zu dem jungen Mädchen, dass ihre Unschuld verliert. Und damit befinden sich die Jugendlichen in einem Strudel auf der Suche nach dem Sinn des Lebens, der in einer Spirale aus Gewalt endet….und Pierre Anthon zum Verhängnis wird. Zugrunde liegt eben nicht nur die Angst von Agnes, sondern auch die Sehnsucht der Kinder, ihrer eigentlich durchstrukturierten Welt zu entfliehen und die Erwartungen, die in sie gesetzt werden, hinter sich zu lassen. Ihre eigenen Zweifel, ob irgendetwas Bedeutung hat und ihre Furcht, dass Pierre Anthon vielleicht wirklich Recht haben könnte. Und somit kämpft jeder gegen den Pierre in seinem Kopf und sie werden so zu Fanatikern, weil sie ihn unbedingt aus ihrem Denken eliminieren wollen.

English: NOTHING: WHAT MATTERS IN LIFE

A novel by Janne Teller
“If it’s so easy to die, it’s because death has no meaning. And if death has no meaning, then it’s because life has no meaning. But have a great time!”

In the end, this outburst seals the fate of apparent antagonist Pierre Anthon. “Nothing means anything, so there’s no point doing anything at all,” he says, and walks out of the classroom, irrevocably altering everything about his classmates’ small world as he does so. Because while Pierre, sitting in a plum tree, goes on peppering his classmates with nihilistic slogans, the true protagonist, Agnes, grows fearful – fearful that Pierre Anthon might actually be right. And so, the class sets out on a search for the meaning of life. The students amass a “mountain of meaning,” for which each individual has to make a terrible sacrifice. Starting with the favorite sandals, then a bicycle, then many more things that lie close to the children’s hearts, the situation grows more and more absurd. The Muslim boy who has to sacrifice his prayer mat, the young girl who has to sacrifice her deceased little brother, the promising guitarist who forfeits his index finger, the young girl who loses her virginity. In their search for the meaning of life, the kids find themselves caught in a maelstrom that ends in a spiral of violence… and which spells Pierre Anthon’s ultimate doom. Underlying it all is not just Agnes’ fear, but also the longing of the children to leave behind their structured world and the expectations put on them. And their own doubts as to whether anything has meaning and their fear that perhaps Pierre Anthon might actually be right. Each thus has to battle the Pierre in his own head, and each becomes a fanatic, wanting nothing more than to rid their thoughts of him.

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